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WËNDE

PHOTOGRAPHY | SALZBURG | 2016
Tanzstück mit Live Musik von Sophia Fischbacher

WËNDE

Zu Entstehung und Idee des Stückes:
Das Stück WËNDE entstand im Rahmen meiner künstlerischen Bachelorprüfung im Schwerpunkt Tanz des Studiums der Elementaren Musik- und Tanzpädagogik am Orff-Institut, Mozarteum Salzburg. Inspiration für Bühnenbild und mit der Zeit dann entscheidendes und formgebendes Element für das Stück, waren Wände aus einem Holzfasermaterial, die ich in dem Stück Die Verlobung in St. Domingo der Schauspielabteilung des Thomas Bernhard Instituts – Mozarteum im Frühjahr 2016 gesehen hatte. Die Wände wurden gleich zu Beginn des Stückes zerschlagen und eine interessante „Landschaft“ an zerbröckelten Holzteilen entstand. Dieses Zerschlagen und die anschließend entstandene „Holztrümmerlandschaft“ stellten für mich - zunächst jegliche inhaltliche Ebenen außer Acht lassend, ein sehr beeindruckendes Bild dar.

Im Probenprozess und in der Arbeit mit den einzelnen Tänzerinnen kristallisierte sich dann für mich heraus, dass ich nicht eine große Wand haben möchte, die (wie es in dem Theaterstück der Fall war), zerschlagen wird, sondern dass die Wände voneinander trennbar und beweglich sein sollen, wodurch neue Räume geschaffen werden können. Ein Wenden von Wänden also.

Dieser Ausschnitt aus meinem Programmheft soll in Form von einzelnen Schlagwörtern verdeutlichen, welchen Fragestellungen wir uns als TänzerInnen im Laufe der Arbeit gewidmet haben, welche Bilder im Zuge dessen entstanden sind und beim Zuschauer entstehen können:

WËNDE . Wende. wendig . verwenden. zugewandt. Wand.
angewandt. gewunden. Raum. dazwischen.
groß. draußen. klein.
DAS LEBEN EIN (T) RAUM?
Mitverwenden. Neugestaltung. Windung. Biegung.
Übergang von einem bestimmten Zeitabschnitt zum nächsten gleichartigen.
Abgeschnitten. Grenze. Meilenstein.
Stelle, an der die Richtung um 180° geändert wird.
Umgewandelt. Abgewandt. Einraum. Zweiraum.
Dreiraum. Vierraum. Grenzenlos. aufräumen.
ENDEN. ANFANG

Es ist aber zu betonen, dass das Stück in keiner Weise Antworten geben, oder in irgendeiner Form eine Moral oder Denkrichtung vorgeben will. Eher soll eine Collage entstehen, aus den im Programmheft beschriebenen Aspekten.

Folgende Aspekte waren innerhalb der Arbeit besonders wichtig und diese möchte ich zusätzlich noch herausstellen:

- Wände, die als Grenzen fungieren und innerhalb dieser entstehen neue Räumen.
- Räume als private Räume einzelner Individuen → Comfort zone und persönliche Entfaltung vs. öffentlicher Raum.

- Die Verschiebung/ das Wenden der Wände: Was geschieht dadurch mit den darin
agierenden Individuen?: Sich einen Raum teilen, sich verstecken, miteinander konkurrieren, etc.

- Durch wen geschieht das Verschieben der Wände und das Setzen von Grenzen und wie gehen wir damit um?: Durch äußere, nicht veränderbare Instanzen, oder durch uns selbst? Gewollt oder ungewollt und was machen wir daraus.

- Nicht nur räumliche, sondern auch persönliche oder zwischenmenschliche Grenzen spielen eine Rolle.
➔ 2 Ebenen sind also von Bedeutung: Was passiert mit den Wänden an sich UND was passiert durch deren Verschiebung mit den darin agierenden Individuen, in diesem Fall auf primär körperlicher Ebene.

- Mich interessierte hierbei auch die Beziehung der einzelnen Personen zueinander und wie sie sich durch die räumlichen Veränderungen, mitverändert.

- Wann durchbrechen wir Grenzen und warum? Wie gehen wir damit um, wenn es jemand anderes tut?

NOVEMBER 2016 | SALZBURG

PHOTOGRAPHY: SAM BEKLIK